Lombok

Donnerstag, 14.06.2018

Es ist der 14. Juni 2018. Es ist Tag 4 auf Lombok für mich. Seit gestern weile ich in dem Örtchen Senggigi und freue mich auch schon darauf morgen weiter zu fahren. Ich werde zu den Gili-Inseln fahren und hoffentlich dort ein paar schöne Tage verbringen bevor ich mit einem Schnellboot zurück nach Bali fahre.

Von Bali habe ich die öffentliche Fähre nach Lombok genommen. Lombok ist Balis Schwesterinsel im Osten und fast genauso groß, jedoch gibt es weitaus weniger Touristen. Leider sind die wenigen Orte dann sehr auf Touristen eingestellt und stürzen sich auf die wenigen vorhandenen, was einem das Leben doch sehr schwer macht und teilweise noch viel unangenehmer ist als sich mit den Touristenmassen durch die Straßen zu kämpfen. So ist man Freiwild, das sich auf ungeschütztem Terrain bewegt.
Im Sekundentakt höre ich: 'Miss, how can I help you?" 'Ähm, gar nicht???', "Miss, transport?" 'Nein, ich laufe', "Hello, how are you? I like your smile." 'Hmm, komisch, ich lächele doch gar nicht.' "Hello, bracelet? Miss, bracelet?" 'Nein, ich brauche kein Armband.' "Miss, where do you wanna go?" ,'Geht dich gar nichts an.' "Hello, massage. Need a massage." "Hello, motorbike. Need a ride?" 'Nein danke, ich laufe die paar Schritte. Ich habe tatsächlich Füße, die laufen können.' "Hello, wanna see the waterfalls." 'Nein danke, habe schon hunderte gesehen.' "Hello, motorbike." ..... "Hello, wanna massage." .... Am Strand kommen dann noch die Händler, die Bekleidungen und Schmuck verkaufen dazu. Dann wird es richtig verrückt. "Miss, Sarong. Need a sarong?" ....
Zum ersten Mal könnte ich mir vorstellen in einem Resort abzutauchen. An beiden Enden des Strandes in Senggigi gibt es jeweils ein Resort. Und die Gäste scheinen dieses wirklich nicht zu verlassen. Ich habe mich darüber mit meinem Schweizer Mitbewohner unterhalten und der meinte das auch. Für mich gibt es ansonsten für dieses menschenleere Städtchen keine Erklärung. Die ansässigen Resorts sind jedoch super schön anzuschauen und gliedern sich in die Landschaft ein. Man darf sich keine dieser Bettenburgen, die sich an Spaniens Küste entlang schlängeln, vorstellen. Stattdessen handelt es sich um Bambus-Bungalows mit hübschen Terrassen. Holzliegen aus dunklem Holz mit cremeweißem Polsterungen sind zum Meer ausgerichtet. Auf kleinen Beistelltischen werden Getränke und Tee angeboten. Diese Gäste werden zufrieden gelassen. Der gemeine Rucksacktourist wird hingegen bis in seine Unterkunft verfolgt, darf nicht einmal von seinem Buch aufschauen am Strand und muss mit gesenktem Gesicht, ohne jeglichen Blickkontakt aufzubauen die Straßen entlang laufen. Und auch dann wird er bedrängt und bedrängt doch etwas zu kaufen.

Hätte ich auf der Fähre nicht so offensiv Ausschau gehalten nach anderen Touristen wäre ich wahrscheinlich kurz nach Ankunft im Hafen von Lembar wieder zurück aufs Schiff gekehrt. Ich habe ganze 11 Touristen gezählt unter locker 1000 Einheimischen. Ich wusste, dass ich mich wieder auf einen Pfad begebe, den kaum ein Tourist geht, ist es doch viel bequemer auf eines der Schnellboote zu steigen, da man statt fünf Stunden nur drei unterwegs ist. Dafür zahlt man das Vierfache. Im Hafen von Padangbai auf Bali versuchte ich in dem Wirrwarr aus Auto, LKWs und wartenden Menschen den Ticketschalter zu finden und ebenso das Pier wo die Fähre nach Lembar ablegen sollte. Die Menschen starrten mich an, als haben sie noch nie ein europäisches Gesicht gesehen. Ich fand den Ticketschalter nicht. Hundert Mal wurde ich dafür angesprochen, ob ich was zu essen kaufen wollte. Die Richtung des Ticketschalters konnte mir jedoch niemand zeigen.
Dann sah ich drei westliche Gesichter, die neben Motorrädern standen. Ich sprach die Männer an und die sagten mir, wo ich das Ticket kaufen könne. Ich versicherte mich, dass auch sie aufs Boot stiegen. Allerdings habe ich sie später nicht wieder gesehen. Also waren es eventuell nur acht Touristen auf meiner Fähre.

Für umgerechnet 2,75€ erstand ich meine Fährüberfahrt von Bali nach Lembok und musste jetzt nur noch herausfinden, wo ich einsteigen musste. Und das gern in Begleitung anderer Touristen. Ein Pärchen ging an mir vorbei und ich sprach sie sofort an und fragte, ob sie englisch sprechen und wissen wo, die Fähre nach Lombok abfahre. Die beiden kamen aus England und hatten noch nicht mal Tickets. So konnte ich ihnen erst mal weiterhelfen. Ich wartete auf sie und zusammen gingen wir Richtung Pier. Zwei junge Mädels stapften unfreundlich an mir vorbei, um dann zurückzugehen, um auch den Ticketschalter ausfindig zu machen und ich wusste sogleich das sie deutsch waren. Zu zweit ist das Leben auf Reisen halt einfacher. Man muss niemanden fragen. Zu zweit findet man alles irgendwie allein raus und die starrenden Blicke der Bevölkerung teilt man sich auch. Später fand ich heraus, dass sie einfach auch nur versuchten so schnell wie möglich von den Menschen wegzukommen, die einen sekündlich etwas andrehen wollten.
Ein französisches Pärchen gesellte sich zu den Briten und mir und dann kamen auch die beiden Mädels an. Ich fragte, ob irgendjemand nach Kuta Lombok fahre. Und tatsächlich waren es nur die beiden Mädels. Ich fragte, ob ich mich an sie heften kann und wir uns zusammen ein Taxi teilen. Sollte der Ort locker eine Stunde vom Hafen entfernt sein. Die beiden hatten gar nichts dagegen und im Hafen von Lembar sprach uns ein weiterer Deutscher an und nach gefühlt ewiger Bedrängung der Autofahrer gaben wir nach ca. 30 min einem Autofahrer den Zuschlag. Er war eigentlich nur auf dem Weg nach Hause und wollte uns einen guten Preis machen. Man könnte ja einfach nett sein und die Leute so mitnehmen. Aber nein, da wird gefeilscht und gefeilscht. Auf dem Weg zu einem Supermarkt wurden wir von jedem Autofahrer angesprochen der vorbeikam und uns fahren wollte. Man ist Freiwild und für die Menschen ein wandelndes Dollarschild. Im Supermarkt deckten wir uns mit Getränken und Keksen ein. Draußen wartete der eine Fahrer und seine Hartnäckigkeit wurde belohnt. Wir hatten einen Fast-Unfall, jeder saß unangeschnallt und der Typ grinste auch noch frech als wir uns erschraken. Zwei kleine Kinder waren auch in die Situation verwickelt und wären zu schaden gekommen. Alles nicht so wild hat doch der Fahrer knapp 20€ verdient. Für deutsche Verhältnisse wären das vielleicht eher 200 Euro.